Vicarious Visions arbeitet für Blizzard; Diablo 2 Remake in Entwicklung; internes Team 1 nach WarCraft 3: Reforged aufgelöst

Das Studio Vicarious Visions gehört fortan zu Blizzard Entertainment und wird sich in Zukunft um Blizzard-Spiele kümmern. Bisher gehörte Vicarious Visions zu Activision und hatte in den letzten Jahren u.a. Crash Bandicoot N. Sane Trilogy sowie Tony Hawk’s Pro Skater 1+2 entwickelt. Vorher hatten sie an der PC-Version von Destiny 2 gearbeitet, die bekanntlich auch im Battle.net veröffentlicht wurde. Davor waren sie u.a. für Skylanders verantwortlich. Die Studio-Leiterin Jennifer Oneal übernimmt in Zukunft die Position „Executive Vice President of Development“ bei Blizzard. Simon Ebejer (COO) wird das Studio aus Albany (New York) leiten. Bei Vicarious Visions arbeiten ungefähr 200 Personen.

„Nachdem wir einige Zeit mit Vicarious Visions zusammengearbeitet und eine großartige Beziehung entwickelt hatten, erkannte Blizzard, dass es eine Möglichkeit für [Vicarious Visions] gab, eine langfristige Unterstützung anzubieten“, sagte ein Vertreter von Activision Blizzard gegenüber GamesIndustry.biz.

Vicarious Visions wird sich in Zukunft also um die Blizzard-Marken kümmern und keine eigenen Spiele oder Titel auf Basis von Marken aus dem Activision-Fundus entwickeln. Das Studio soll seit 2020 an der Diablo-Reihe arbeiten, u.a. an einem Remake von Diablo 2.

In einem Bloomberg-Bericht geht Jason Schreier ebenfalls näher auf diese Veränderung ein. In dem Bericht, der auf Informationen von Insidern basiert, heißt es, dass Vicarious Visions sehr wahrscheinlich das still und heimlich aufgelöste „Team 1“ von Blizzard ersetzen soll. Dieses „Team 1“ oder auch „Classic Games Team“ war u.a. für StarCraft 2, Heroes of the Storm und das in den Sand gesetzte WarCraft 3: Reforged verantwortlich. In letzter Zeit sollen sie an einem Remake von Diablo 2 gearbeitet haben.

Auszug aus dem Bericht: „Mitglieder von Team 1 trafen sich, um zu besprechen, was [bei WarCraft 3: Reforged] schief gelaufen war. Interne Blizzard-Dokumente, die von Bloomberg eingesehen werden konnten, führten das Scheitern des Spiels unter anderem auf schlechte Planung, Fehlkommunikation und eine überstürzte Veröffentlichung aufgrund des finanziellen Drucks der Geschäftsführung zurück. Zum Beispiel hatte Blizzard das Spiel im November 2018 angekündigt und es wurde begonnen, Vorbestellungen für 2019 anzunehmen, ohne den Großteil des Entwicklerteams vorher zu informieren, sagten mehrere Personen, die an WarCraft 3: Reforged gearbeitet hatten. (…) Team 1 wollte vermeiden, die Fehler von WarCraft 3: Reforged bei seinem nächsten Projekt, dem Remake von Diablo 2, zu wiederholen. Kurz nach dem Postmortem zog Blizzard dieses Projekt jedoch von dem Team ab und übertrug der Abteilung hinter Diablo 4 die Verantwortung dafür. Einige Leute bei Vicarious Visions arbeiten ebenfalls an einem Remake, das unter dem Namen Diablo 2: Resurrected bekannt war.“ Und dieses Remake von Diablo 2 soll weiterhin in Produktion sein, obgleich es im direkten Konkurrenzkampf zu Diablo 4 stehen dürfte.

Am 15. Oktober 2020 sollen die Mitglieder von Team 1 darüber informiert worden sein, dass die gesamte Abteilung umstrukturiert werde. In den folgenden Wochen erhielten die Teammitglieder die Möglichkeit, sich für andere Stellen innerhalb des Unternehmens zu bewerben. Diejenigen, die keine Stelle fanden, wurden nach und nach entlassen. Andere verließen das Unternehmen in Richtung unabhängiger Studios, die kürzlich von Blizzard-Firmenveteranen gegründet wurden – wie Frost Giant oder DreamHaven. Im ähnlichen Zeitrahmen wurde ebenfalls die Schließung des europäischen Standorts beschlossen (wir berichteten).

Last but not least hat Blizzard versprochen, WarCraft 3: Reforged weiterhin zu „reparieren“ und zu aktualisieren, obwohl diese Aufgabe sehr wahrscheinlich ein externes Team übernommen hat. Ein Unternehmenssprecher wollte auf Nachfrage von Bloomberg nicht bestätigen, wer sich um die weitere Entwicklung kümmert, sagte aber, dass sie sich „weiterhin für Updates zur Unterstützung der Community einsetzen“ werden.